Topik I


Überlegungen zur topischen Strukturbildung für den systematischen Entwurf einer theologischen Dogmatik


Teil I

1.

Die Methode der Erschließung der Zusammenhänge der Orte – als Begriffsorte der Wesenheiten des Göttlichen – stellt sich aus dem Zusammenhang der Einsichtswege von Anselms Monologion und Proslogion als eine durch Irritationen, Widerstreite und kritische Wendung erst sich bildende Entsprechungsbewegung dar. Das zustimmungsfähig Gmeinschaftliche wird mit jedem Ort vorausgesetzt, aber die Einstimmung dadurch nur stellvertretend antizipiert, die als überzeugend und der Bewährung fähig, erst mit der Vollendung der Ordnungsbildung in der Strukturierung der Ortsverhältnisse von Grund- und Leitbegriffen Gestalt gewinnen und eine orientierende, den Nachvollzug in Entsprechung wegweisende Kraft gewinnen kann.

Gottes Wesen ist in der Grundgabe des Maßgeblichen durch den Geist im Gedächtnis – aus dem Hören des Worts vermittelt, das Weg und Weisung ist – als anwesend anzunehmen, kann aber weder Erscheinung noch ein Gegenstand der Verstandeserkenntnis sein. Der bloße Vernunftschluß aus der Bestimmung des Begriffs Gottes, wie ihn das Proslogion Anselms (im 'aliqid quo nihil maius cogitari possit') dem Beweisgang zugrundelegt, gewährt die zum Bewußtsein der Anwesenheit gehörende Empfindung nicht.

Der erste Übergang vollzieht sich vom 4. zum 5. Kapitel, da die Frage nach dem Wassein, die sich unabweisbar stellt, beantwortet werden können muß, um das nicht als 'etwas' im Verstandesbewußtsein zu haltende Sein Gottes wahren zu können.

„Warum“ fragt die Seele dann im 14. Kapitel des Proslogion, „fühlt meine Seele Dich nicht“, wenn sie Dich doch auf dem Vernunftweg der wahren Sicherheit so zweifelsfrei eingesehen hat, daß Du nicht nicht sein kannst und Dir all jene Vollkommenheiten (der Wahrheit, Liebe, Güte, Schönheit, Gerechtigkeit) notwendig zuzuerkennen sind? Kann ich denken, dass Du sie bist und hast, ohne dass sie der Seele gegeben sind, die Freude ihres Daseins eröffnend?

Da das Empfindungsbewußtsein nicht wie im Postulat des empirischen Denkens die Wirklichkeitsbeurteilung durch das Beurteilungsbewußtsein der Gegebenheit aus rezeptiv sinnlicher Wahrnehmung verbürgen kann, wird erst ein die Seele als ganze, ihr Empfindungsvermögen in Liebe und Achtung einschließende Entsprechung jene Einstimmung als erreichbar denken können, in der ein Anwesendsein des Göttlichen in personalem Geist in seinen Gaben fühlbar und als leitend angenommen sein kann. Anselm gibt in den letzten Kapiteln mit der Aufnahme des Sch'ma Israel dazu einen Ausblick. Die Unabtrennbarkeit von Gottes- und Selbsterkenntnis, von als liebend sich der Würdigkeit, geliebt und geachtet zu sein, öffnende Seele wird zur tragenden Bedingung einer geistgeführten Vernunft, die in der Fürsorge für die Vermögen der Seele überhaupt dem Dienst der Gemeinschaft aus der nur so zu wahrenden Einheit von Gottes- und Nächstenliebe sich widmet.

Entscheidende Stadien der eine Anwesenheit in der Zeit als Bedingung des Existenzbewußtseins eröffnenden Personalität sind die Einbeziehung der Nichtdenkbarkeit Gottes für den als solchen immer auf ein gegebenes Etwas bezogenen Verstand in K 15 und die jene Toposstruktur der Ideenannahme herausfordernde Stelle in K 18 des Proslogion, daß die maßgeblichen Vollkommenheiten mit Gott identisch sein und in der Verschiedenheit ihrer Begriffe doch als unterscheidbar gewahrt werden müssen und eben keine Zusammensetzung bilden können, um die Einheit Gottes als die des für uns Orientierung gebenden Geistes im vernünftigen Geist (des Menschseins) zu wahren:



„Was bist Du, Herr, was bist Du, als was wird Dich mein Herz einsehen?
Gewiß, das Leben bist Du, die Weisheit bist Du, die Wahrheit bist Du, die Güte bist Du,
die Seligkeit bist Du, die Ewigkeit bist Du, und jedes wahre Gute bist Du.

multa sunt hæc non potest angustus intellectus meus tot uno simul intuitu videre

ut omnibus simul delectetur.

Viel ist das, nicht vermag mein enger Verstand so viel mit einem Blick zugleich zu sehen,
um sich an allem zugleich zu erfreuen.

quomodo ergo Domine es omnia hæc? an sunt partes tui
aut potius unumquodque horum est totum quod es?

Wie also, Herr, bist Du alles? Sind es etwa Teile von Dir,
oder ist vielmehr ein jedes von diesen das Ganze, das Du bist?

nam quidquid partibus est iunctum non est omnino unum sed quodam modo plura

et diversum a seipso et vel actu vel intellectu dissolvi potest
quæ aliena sunt a te quo nihil melius cogitari potest.

Denn was aus Teilen zusammengefügt ist, ist durchaus nicht eines,

sondern irgendwie mehreres und verschieden von sich selber
und kann – sei es wirklich oder gedanklich – zerlegt werden;
das ist Dir fremd, über dem nichts Besseres gedacht werden kann.

nullæ igitur partes sunt in te Domine nec es plura sed sic es unum quiddam et idem tibi ipsi
ut in nullo tibi ipsi sis dissimilis immo tu es ipsa unitas nullo intellectu divisibilis.

Es gibt also keine Teile in Dir, Herr, noch bist Du mehreres, sondern so sehr bist Du etwas Eines

und Dir selber Gleiches, daß Du in nichts Dir selber unähnlich bist;
vielmehr bist Du die Einheit selber, durch keinen Verstand teilbar.

ergo vita et sapientia et reliqua non sunt partes tui sed omnia sunt unum
et unumquodque horum est totum quod es et quod sunt reliqua omnia.

Also das Leben und die Weisheit und das übrige sind nicht Teile von Dir,
sondern alles ist Eins und ein jedes von ihnen ist das Ganze,
das Du bist und was die Übrigen alle sind.“ (Proslogion K 18)



2.

Die Methode der auf Begriffe – als Ideen- oder Prinzipienbegriffe – bezogenen Ortsgemeinschaft, durch die das Gemeinschaftliche eines jeden Topos zur Geltung gebracht wird, unterscheidet sich von der topischen Bestimmungsart nach Aristoteles darin, daß das argumentum zwar als Grund gelten, aber nicht in Sätzen, nicht in Grundsätzen gegeben vorausgesetzt werden kann. Sätze und Satzgefüge bilden sich (wie in den juridischen Begründungsfiguren des ciceronischen Redners) erst aus diesen Bedeutungen von Begriffen der Ideen in Antizipation ihrer Gemeingeltung. Das ist möglich, wenn deren Bedeutung die Vermögen als Bedingungen des in Gemeinschaft Seinkönnens betrifft. Durch die Vermögensbedingungen des Seinkönnens als (auch rechtsfähige) Personen wird der für die Entwicklung der Topik bei Aristoteles und Cicero wesentliche Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Lebensbedingungen der Angesprochenen gewahrt. Die Topik wird zur Ethik, wie dies auch Cicero erkennt.

Die Gemeinschaft als Zusammenhang zwischen den Topoi muß sich aus einem jedem der Begriffs­orte selbst mit erschließen; nur dann kann die Einbeziehung in das Ortsgefüge sich der Willkür einer Setzung entziehen und die Rede als stellvertretend für die durch sie zu erwirkende, in ihre erst antizipierte Gemeingeltung sich gestalten (aus dem Vermögen des sich mitteilenden Gemeinsinns, wie ihn die 'Kritik der Urteilskraft' Kants einführt). Darum wird die Einheit auch nicht durch einen Grundsatz und nicht durch eine einzige Grundkraft gestiftet, sondern erfordert eine ursprüngliche Verbindung dessen, was durch diese Verbindung allererst es selbst sein kann. Das läßt sich durch den auf Erscheinendes ausgerichteten Verstand in dessen Bewußtseinsintention auf Gegebenes nicht fassen. Darum kann die Einheit einer topologischen Struktur nicht durch einen Gegenstand gewährleistet werden, sondern nur durch die auch kritische Verfahren und die Gedächtnisarbeit aus Begriffen einschließende Methode, in der sich je nach Ort die von ihm her sich bestimmenden Wegweisungen verflechten. Einsehbar werden sie nur im Mitgehen, wenn wir der im Begriff gewiesenen Haltung entsprechend die Vermögen ihnen selbst gemäß ausüben.

Die Methodenreflexion zur Entwicklung des Verflechtungsraums der topoi ist von den Unterscheidungsbedingungen von dianoia und nous geleitet, wie sie als Vermögen das Liniengleichnis der Politeia Platons für das Verfahren der dialektischen Wissenschaft unterscheidet und verbindet. Der nous ist dabei stärker auf Einbildungen bezogen als die auf mathematisch fassliche Erscheinungen bezogene dianoia. Der nous verbindet sich darum gegenüber dem Scheinbildnerischen mit der diakritike, was methodisch erst der Sophistes aufzuschließen vermag. Das Liniengleichnis stellt keine gestufte Erkenntnistheorie dar, sondern wandelt das Vergleichsbild mit der Schlussaufforderung zur Ordnung in das Bildungsgleichnis der zweifachen Umwendung im Höhlengleichnis – um willen der Wahrheit und der Gerechtigkeit.

3.

Im 18. Kapitel des Proslogion weist, wie oben ausgeführt, Anselm darauf hin, daß die Vielheit der Wesenheiten keine Teile in Gott sein können. Ihre Einheit kann im Begriffsbild eines nicht zusammengesetzten Ganzen nur durch die Stellvertretung eines jeden der Wesensbegriffe gewahrt werden, wenn zugleich das Unabbildbare ernst genommen wird. Die Stellvertretung in kritischer Methode erfordert den Einsatz des Mitdenkenden aus dem Anspruch der angenommenen Geltung eines jeden als ursprünglich maßgebend Anzunehmenden, in einer Orientierung, die zugleich ein Weitergeben und Einbinden sein kann, wie es der Haltung des Gemeinsinns in der Mitteilung entspricht.

Dies ergibt sich (wie schon Anselms Monologion in der Aufnahme von Augustins 'de trinitate' zeigt), da die Attributionen von Gott als gut oder gerecht in der Form einer Identität mit der Idee des Guten (als ursprüngliche Güte) und der Gerechtigkeit selbst angenommen werden muß. Weder Art-Gattungsverhältnisse noch die Kategorien können die so geforderte Identitätsform und die Verbindungen für die Unterscheidungen wahren. Anselm nimmt dazu das Kriterium des melius ipsum quam non ipsum aus dem Monologion im 5. Kapitel des Proslogion auf, das bereits Origines kannte und als Argument gebraucht hat.

Die reflexiv teilhabende Wesenserkenntnis wird darum auch zur Bedingung des Denkenkönnens des Seins Gottes überhaupt, das eine Anwesenheit in Anspruch nimmt, die als Freude empfunden werden kann und alle Vermögen der Seele in die Entsprechung einbindet. Die Freude ist dann Indikator ihrer Einstimmung aus der geglückten Annahme. Gott selbst ist als ursprünglich maßgebend Grund der Einstimmung und kann als Maß und Grund nur mit Vernunftbewußtsein angenommen sein, wenn die Einstimmung im Selbstbewußtsein vernehmbar werden kann. Die Vernunft erhält so ihre Entsprechungsbestimmung in der Fürsorge für die Seele.

Mit der rein argumentativ erschlossenen Vernunfteinsicht in die Undenkbarkeit des Nichtseins dessen, worüber hinaus nichts besseres, nichts würdigeres, nichts gerechteres gedacht werden kann und darum die Güte selbst, die Würde selbst, die Gerechtigkeit selbst sein muß, ist das Anwesen noch nicht als in personalem Bewußtsein gefühlt, nicht als wirklich erkannt ausweisbar und die Annahme nicht als vollendet zu denken. Dem Maß wäre in keiner seiner Maßgaben in nur einseitiger  Annahme ohne Einheit aus Einstimmung im geistgeführten Verhalten der Seelenvermögen entsprochen. Die Ungemäßheit in einem teilt sich dem Gefüge und so jedem anderen der teilhabenden Weisen von Verhaltensvermögen mit. Die Vernunft selbst gewahrt unter ihrer Fürsorgebestimmung für die Seele im ganzen die Verfehlung eines teilhabenden „Teils“ als Widerstreit in sich.

Ohne Annahme ist das Geben der Gabe nicht erfüllt (vgl. 'de casu daboli'). Gott selbst könnte ohne die Entsprechung in Vernunftverantwortung für das Verhalten der Seele als ganze, also Person, nicht als das selbst zu sein gedacht werden, als was Gott als (personaler und in ursprünglicher Ermöglichung des Seinkönnens als Person grundlegender) Geist sich zu erkennen gibt. Darum ist der ethische Verpflichtungsgrund der Vernunft an das personale Gottesverhältnis im zugleich kritisch sich prüfenden Glaubensgedächtnis gebunden.

Gott selbst im Sein als lebendiger Geist in Person (aus ursprünglich handelnder Einheit von Gabe und Annahme) muß mit Vernunft und Empfindung angenommen, also geachtet sein und als für uns maßgeblich gelten können. Sonst ist die Argumentführung das „unum argumentum“ nicht vollendet: es mußte sich ab dem Kapitel 5 des Proslogion und dann durch die folgenden Schriften zur Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit hindurch zunächst in der Vielheit des ursprünglich Maßgebliche der sich eröffnenden Gotteseinsicht uns als Wesenseinsicht erschließen, um ein Sein Gottes überhaupt mit Einsicht denken zu können und es nicht mit der Existenzweise von Dingen in unangemessenem Vergleich zu analogisieren. Vollendet ist es aber erst mit der Haltung in praktischer Gemeinschaftsveranwortung des sich im Geist aufschließenden Seinkönnens als Person, die die Ebenbildlichkeitsbestimmung in sie erneuernder Verwandlung als Entsprechung der Nichtentsprechung gegenüber in die Nachfolge als Bestimmung der Sendung aufgenommen hat.

Anselm begriffstreue Erschließungsarbeit läßt sich als Wegbereitung des sich Bestimmenlassens der praktischen Vernunft durch die Achtung der Würde der Person reformulieren. Kants Kritik der praktischen Vernunft hätte dann statt des Postulats des Garanten der Glückseligkeit für das sittlich Würdige Gott als ursprünglich ermöglichender Grund der Einheit von Vermögen anzunehmen begründen und in refomuliertem Gottesbeweis die religio des Ursprungs in den anzunehmenden Bestimmungsgrund der praktischen Vernunft noch als Bedingung ihrer Selbstgesetzgebung einbinden müssen.1

4.

Für die Verbindungs- und Einheitsart der Topoi ist die (kategorisch) syllogistische Schlusslogik nicht tauglich; darum war es notwendig, das begriffsgebunden streitaustragende und streitlösende Moment, das sowohl in der Rhetorik der Gerichtsrede bei Cicero als auch bei Melanchthon und den ihm nachfolgenden Reformatoren Bedeutung gewinnt, von den Prinzipienbegriffen her in die Verantwortung ihrer Annahme für das dadurch erst eröffnete Erkennen zu stellen. Das Wissen ist der Darstellung in der Auffindung der Topoi nicht vorgängig!

In den sogenannten „dialektischen Syllogismen“ werden nicht mehrere Prämissen verbunden, sondern sie gehen nur jeweils von einer aus. Die Folgerungen könnten dann aber nur überzeugend geführt werden, wenn sie einen Begriff in der ihm eigentümlichen Definitheit zugrundelegen. Aber es ist die Definition in der Topik des Aristoteles, die das Ungenügen des dort gegebenen Verfahrens anzeigt, und über die Alternative von Grundsätzen hinausweist, die entweder evident sein sollen und dann wie in der zweiten Analytik zu notwendigen Schlussfolgerungen taugen, oder aus vorgängigen Elementen zusammengesetzt wären, wie dies Aristoteles in seiner Topik für die auf eine Sache bezogene Definition erläutert.

Demgegenüber muß mit dem Topos als durch einen Begriff bedeutet auf eine weder nur analytische noch nur zusammensetzend synthetische Art ein Strukturzusammenhang von Begriffen erschließbar sein, die als Bedingungen der Identität wie der Unterscheidung eines jeden der in der zu entdeckenden Struktur teilhabenden Begriffe fungieren und Berücksichtigung finden. Die Findekunst der ars invendiendi erprobt durch Zuordnung eine Explikation, die grundsätzlich umkehrbar sein muß.

Dabei spielt es dann keine Rolle mehr, welcher der Begriffe aus dem Gedächtnis seiner Identität zu bedenken angesetzt wird. Die Ortssetzung leistet dabei auf jeden Fall, dass sie eine Gemeinsamkeit der Bedeutung im Begriff für alle Mitdenkenden und Hörenden ansetzt, die zugleich als fraglich die Bestimmungsarbeit zur Erschließung einer Ordnung antreibt.



Wenn ich das richtig sehe, lassen sich nicht nur jene nicht als Teile zu denkenden Wesenheiten der Göttlichen Einheit nach Anselm, sondern auch die Loci communes von Melanchthon, Musculus oder Nisaeus als jeweils, wie es die Listen verzeichnen, nur je durch einzelne Begriffe angeben und festhalten, nicht als Urteile und Grundsätze voraussetzen. Im Ort eines für sich je absolut gesetzten Begriffs wird nicht nur dem Streit um seine Bestimmung ein Widestand entgegengesetzt, sondern der Widerstreit unter den einander vielfältig auch entgegengesetzten Behauptungen über das Selbe mit der Ortssetzung in ihn hereingenommen und durch die Identitätsform als unbedingt zu lösen gesetzt. Mit dem Ort eines Begriffs von etwas selbst gemäß seiner selbst ist ein für die Erreichung der noch ausstehenden Einstimmung die Gemeinschaftlichkeit zu wahrendes Begriffsgedächtnis vorausgesetzt, das die Identitätsbedingungen zusammenhält und ihren Widerstreit durch die Kritik an der Gegenstandsintention der Bestimmung transzendiert. Die als reflexionsbedingt erkannt werdenden Einteilungen sind von jedem Ort her integrierbar und können durch die rechte Zuordnung im Verbund der vielen den Streit lösen. Jeder Ort eines Leitbegriffs verweist auf die Struktur einer durch integrationsfähige Zuordnungen zu findende Strukturen, in denen im Begriffsgedächtnis als Ort der Gegenwart einer Problemstellung die Bestimmung als Problemlösung erinnert bleibt, sich also bleibend von Beschreibungen und Wissen von Gegebenheiten unterscheidet. Die Struktur des Orts kann als Struktur von Strukturierungsprozessen nur gegeben sein, die als Aufgabe zur Findung in der Teilhabe am Strukturierungsprozess übernommen wird. Ihr Telos kann auf Vollendung hin der Strukturbildung nur Orientierung sein, wenn die Topologie als Zusammenhangsstruktur der Topoi die Vermögensbedingungen der Teilhabe einbezieht und als notwendige Momente der Voraussetzung der Ortsstruktur heraussetzt und integriert. (Zur Methode siehe Teil II)

Mit den Bedingungen der Einheit im Vertrauen auf ihre streitlösende Kraft verknüpfen sich die Begriffsbestimmungen von den Gedächtnisorten der Ideen, deren Ordnung sich nur in der zu findenden Struktur des Ortszusammenhangs im Mitgehen erschließen kann. So wird auch der ursprüngliche Sinn von methodos – als Mitweg – gewahrt. Für die dann durch den notwendig systematischen Entwurf der Ortszusammenhänge aufzunehmende Methodik der Verflechtung von durch Ideenbegriffe orientierten reflexiven Einteilungen gewinnt die platonische Tradition im Ausgang von den Dialektikpassagen des Liniengleichnisses und der koinonia der megista gene im Sophistes eine entscheidende, die Wegführung des einheitswahrenden Verfahrens leitende Bedeutung, die sich durch Augustinus und Anselm bis zu Kant für ihre Ausgestaltung philosophie- und theologiegeschichtlich verfolgen läßt. In ihr wird der Systemzusammenhang nicht mehr durch einen einzelnen, ausgezeichneten Topos gestiftet, nicht durch ein erstes oder oberstes Prinzip, sondern ergibt sich aus der Achtung eines jeden der teilhabenden Prinzipien als wechselseitig sich bedingend.

Die ursprüngliche Einheit erschließt sich nur durch eine Verbindung, darin das sich Verbindende allererst selbst sein und als es selbst zu sein bewußt sein kann. Darum sind Ursprung, seine Ordnung und seine Einheit, ohne ursprüngliche Einheit des Selbstbewußtsein als Gegenwart nicht denkbar.

Seinen Ausgang nimmt das Erschließungsverfahren im – angesichts des Meinungsstreits kontrafaktisch scheinenden – Vertrauen auf das Gedächtnis der ursprünglichen Selbigkeit eines jeden als Prinzip zu würdigenden Begriffs, der in ursprünglicher Bedeutung noch im Streit als in seinem Gedächtnis geborgen vorausgesetzt und in vergegenwärtigender Besinnung als Identitätsgrund gesetzt werden kann. Das im Begriff gewahrte Identitätsgedächtnis seiner Bedeutung muß sich als Ordnung im Zusammenhang von Bestimmungsgründen ausweisen lassen können, da sie sich für die Argumentations- und Reflexionsgemeinschaft als das zu bewähren hat, was, wenn ihr alle folgen, auch alle in Gemeinschaftlichkeit der Geltung des zu Befolgenden sein können. Der Vertrauensgrund auf den Begriff ergibt sich also aus seiner Funktionsbedeutung als Grund und als Maß, aus dem Status als Leitbegriff oder als Prinzip in der Bedeutung eines ursprünglichen Bestimmungsgrundes, anders gesagt, als Begriff der Idee eines von uns schon in Anspruch genommenen Vermögens. Als Vernunftgrund im der topischen Struktur der als ursprünglich anzunehmenden Ordnung wird als unbedingt geltend einsichtig, dass keine Ordnung als gut oder schön oder gerecht gegeben sein kann, die keinen Frieden und keine Gemeinschaftlichkeit für selbstbewußt zu handeln fähige Personen stiftet.

Damit ist schon aus der Formbedingung der Identitätsannahme eines Topos die Vernunftbedingung des Zusammenhangs der topischen Struktur im System als Gemeinschaftlichkeit durch Ermöglichung von Einstimmung im Austrag von Widerstreit zur Achtung der für die Ordnung als Einheit nicht zu vernachlässigenden Bedingungen zur überzeugungsfähigen Einsicht gebracht. Ihr Gefüge allein kann Unbedingtheit von Bedingungen wahren und setzt die Vollständigkeit seiner Gliederung als Anspruch voraus, den alle Mitdenkenden für die Beachtung der Begriffsgedächtnisse in den einzelnen Ortsangaben zu entsprechen suchen müssen, wenn sie mit Angabe von Gründen durch Zustimmung oder Bestreitung teilhaben. Denn dann könnten auch die Zweifelnden nicht anders, als Gründe in der Strukturbildung topischer Zusammenhänge anzugeben und ihnen durch ihre Begriffe als bindend bestimmt je einen Ort zu geben suchen im als Gemeinschaftsordnung der praktischen Vernunft und ihres Gemeinsinns in der reflektierenden Urteilskraft sich bewährenden Gefüges. Der einzig gangbare Weg, es zu bestreiten, wäre, es zu verbessern.

Die Berichtigung der Geltung gehört zu seiner Bildung. Die Bedingungen der Vermögen, sich überhaupt berichtigen zu können, sind aber nicht wiederum berichtigbar. Darum stellt das in dem sich für die Bewährung durch Befolgung von erprobend in der Strukturentdeckung gefügten Orten der Begriffe von Ideen eine unbedingte Geltung in den Anspruch, die nicht mehr abstrakt bestritten werden kann, sondern eine Bindung der Teilhabe begründet.

    

    1Einzubeziehen     wäre dafür methodisch auch die Maßgabe des ideengeleitet     vermögensreflexiven Gemeinsinns in der Mitteilung antizipativer     Beurteilungsgeltung in ein Grundverhältnis einbeziehen, das ohne     Annahme der Ebenbildlichkeitsgabe im Ursprungsverhältnis des     vernunftigen Selbstbewußtseins nicht auskommt. Kant verfehlt das,     weil er durch die Reflexionsuntersheidung von Form und Materie im     Blick nur auf das Gesetz als Form das Maß der Ideen von Vermögen     nicht als Aufgabe der reflektierenden Urteilskraft erkennt und der     Fürsorgehaltung der Vernunftverantwortung verbindet, sondern die     Bestimmungsreflexion noch immer durch Verstandesfuhnktionen denkt,     wie an der Abhängigkeit seines Handlungsverständnisses von der     Kausalität zu zeigen ist. (vgl. Urteilskraft und Gotteserkenntnis)